Unser Auszug aus dem Happyland

Eine Buch Rezension zu exit Racism von Tupoka Ogette

Was ist VCP Read & Meet?

Im Read & Meet Lesekreis gehen wir herausfordernde Themen unserer Gesellschaft an, bilden uns zusammen weiter und tauschen uns aus. Und das anhand eines spannenden Buches, welches sich mit dem jeweiligen Thema auseinandersetzt.

Vom 13. April bis zum 11. Mai fand die erste Runde des VCP Read & Meet Lesekreis statt zum Thema „Auszug aus dem Happyland“. Du fragst dich sicher, was ist ein Happyland? Tupoka Ogette, Diversity-Trainerin und die Autorin des Buch exit Racism, beschreibt das Happyland als einen Zustand, in dem weiße Menschen leben, bevor sie sich bewusst und aktiv mit Rassismus beschäftigen. Solltest du in Deutschland groß geworden sein, bist du, kurz gesagt, rassistisch sozialisiert worden. So, wie viele Generationen vor dir, seit über dreihundert Jahren.

Rassismus ist kein leichtes Thema und doch ist er überall präsent in unserer Gesellschaft und auch in unserem Verband. Wie geht man ein solch komplexes Thema am besten an? Wie können wir lernen rassismusskritisch zu denken und zu handeln, um so zu einer offeneren und vielfältigeren Gesellschaft beitragen zu können?
Das Buch „exit Racism – rassismuskritisch denken lernen“ von der schwarzen Autorin hilft uns dabei, unsere Perspektive einmal zu wechseln und sich auf die Auszugsreise aus unserem Happyland zu begeben.

„Endlich habe ich einen groben Überblick bekommen was Rassismus eigentlich ist und wie ich als weiße Person davon profitiere.“ Zitat Lesekreisteilnehmer*in

Um rassismuskritisch denken zu lernen muss man sich erst einmal mit der Geschichte und Begriffen zum Thema Rassismus auseinandersetzen. Ogette fasst in den ersten Kapiteln Deutschlands Rassimusgeschichte übersichtlich zusammen und führt in Themen wie Sklaverei und Rassentheorien ein, um dann darauf aufbauend auf Rassismus in der heutigen Zeit eingehen zu können. Hierbei kommt man um ein ganz wichtiges Thema nicht drum herum: Sprache. Begriffe wie Othering, Weiße Privilegien, Microagression zu verstehen helfen uns die Art und Weise wie wir über Situationen, Menschen und die Wirklichkeit denken anders zu betrachten.

„Es ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig, weil man die ganze Zeit liest, dass man zum tendenziell rassistischen Teil der Gesellschaft gehört, von dem man sich eigentlich abheben möchte und von seinen Privilegien, für die man gar nichts kann. Aber es öffnet eben auch die Augen dafür. So schafft es zumindest persönliche Betroffenheit und man kann nicht so tun, als ob es nur von den anderen, den schlechten Menschen handelt.“ Zitat Lesekreisteilnehmer*in

Eins wird klar, wenn man das Buch liest, aus dem Happyland ausziehen ist kein einfaches Vorhaben. An vielen Stellen drückt Tupoka Ogette sehr bewusst den Finger in die Wunde. Oft fühlt man sich ertappt bei der eigenen Widerstandshaltung, die sich immer wieder auftut. Gerne würde man denken, dass rassistisch nur die anderen sind, aber nicht man selbst. Exit Racism erklärt einem, warum das nicht so ist, warum wir alle rassistisch sozialisiert werden und was wir dagegen tun können. „Wir alle“ scheint dir eine zu extreme Pauschalisierung? Regt sich in dir schon der Widerstand?

„Das Buch regt zum Nachdenken und Reflektieren über die eigene Einstellung an.
Insbesondere die Logbucheinträge sind sehr persönliche Stücke, die helfen, noch einmal über die eigenen Denkmuster nachzudenken.“ Zitat Lesekreisteilnehmer*in

Exit Racism erklärt nicht nur sondern nimmt einen mit auf eine Denkreise. Unterstützt wird der theoretische Input durch konkrete Reflektionsfragen, Handlungsempfehlungen sowie Links zu Videos und weiteren Materialien, die uns Ogette mit auf den Weg gibt. Darüber hinaus findet man im Buch an vielen Stellen anonymisierte Logbucheinträge von Workshopteilnehmenden, anhand derer man die Möglichkeit eines selbstreflektierenden Dialogs hat. Geht es mir ähnlich wie der Verfasser*in des Logbucheintrags, welche Fragen stelle ich mir, usw.?

Gerade weil uns Rassismus überall begegnet, ob im Verband oder in der Gesellschaft, ist es wichtig, dass wir uns mit dem Thema auseinandersetzen und es verstehen lernen. Das Buch „exit Racism – rassismuskritisch denken lernen“ bietet einen guten Einstieg in die Thematik und ist quasi der Umzugshelfer für den Auszug aus dem Happyland. Als weiße Person hat man die Wahl Rassismus sehen zu wollen oder nicht, etwas dagegen zu tun oder nicht. Schwarze Menschen und People of Color haben diese Wahl nicht. Als Pfadfinder*innen stehen wir für eine vielfältige und inklusive Gesellschaft. Wir müssen uns solidarisieren, um gemeinsam Rassismus bekämpfen zu können. Das Lesen des Buchs exit Racism kann hierbei ein erster Schritt in die richtige Richtung für dich sein.

pfadisbleiben.vcp.de/lesekreis

https://www.exitracism.de/