Verschwörungstheorien

Wie gehe ich damit um?

von Lena Simosek

In sozialen Netzwerken kursieren vermehrt Verschwörungstheorien um die Corona-Pandemie, werden weiterverbreitet und fallen dabei auf fruchtbaren Boden. Auch, weil mehr oder weniger bekannte prominente Personen nun ihre Reichweite für derartige Theorien nutzen und eine teilweise gewaltbereite Masse zu mobilisieren wissen, werden sie gefährlicher.

Doch nicht nur im Feed, auch über die gängigen Messenger wird schnell mal ein Artikel oder ein Video mit fragwürdigem Inhalt geteilt.

Hier gibt es darum ein paar Tipps zum Umgang mit Menschen im Freundes- und Bekanntenkreis, die den aktuellen Verschwörungstheorien zu COVID-19 anhängen.

  1. Pass auf dich und deinen Energiehaushalt auf. Menschen, die verschwörungsideologisch denken, sind eher selten erreichbar für sachliche Argumente, politische Bildung, Komplexität und Differenzierung. Es lohnt sich nicht, gegen Wände zu reden. Du wirst schnell feststellen, ob du auf offene Ohren stößt. Brich Diskussionen ab, wenn das nicht der Fall ist.
  2. Lass dich nicht darauf ein, die Verschwörungsthesen insgesamt zu widerlegen. Schließlich fehlen überhaupt valide Belege für diese. Sinnvoller ist es, einige dieser “Belege” auseinander zu nehmen. Die Nutzung vorhandener Faktenchecks spart dir dabei Kraft und Zeit.
  3. Nur wenn du sachlich bleibst, kannst du etwas erreichen. Mache der Person ehrliche Angebote, sie mithilfe von seriösen Informationsquellen zu informieren.
  4. Mache dir keine Vorwürfe, wenn es dir nicht gelungen ist, die Person zu überzeugen. Du bist nicht allein, sprich mit Freund*innen und Bekannten über deine Sorgen.
  5. Informiere dich über die Entstehung von Verschwörungsideologien und über strukturellen Antisemitismus. Verstehe, was diese Ideologien politisch bedeuten, wie sie zusammenhängen und welche hunderte Jahre alte Geschichte sie haben. Wenn du dich jetzt fragst, warum „Verschwörungsideologien“ und „antisemitische Verschwörungsideologien“ in diesem Text fast synonym verwendet werden, stellst du dir bereits eine sehr wichtige Frage. Es gibt nämlich kaum populäre nicht-antisemitische Verschwörungsthesen. Was macht Verschwörungsideologien strukturell antisemitisch und wo kommt das her?
  6. Vor allem die Eindämmung der Verbreitung solcher Theorien ist wichtig. Sprich auch mit nicht-Verschwörungsgläubigen über die Gefahren von Verschwörungsideologie und sensibilisiere sie dafür.

Verschwörungsgläubige sollten nicht einfach als Spinner*innen abgestempelt werden. Sie sind überzeugt von einer Ideologie und so solltest du sie behandeln. Wenn du das Gefühl hast, dass jemand psychische Probleme haben könnte, sei sensibel und empfehle professionelle Hilfe.

Über die Links findest du weitere Informationen zu den Hintergründen von Verschwörungsideologien und ihre antidemokratischen Elemente.

https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/publikationen/no-world-order/

https://conspiracytheories.eu/_wpx/wp-content/uploads/2020/04/COMPACT_Guide_Deutsch-2.pdf

COMPACT [Comparative Analysis of Conspiracy Theories][dt. Vergleichende Analyse von Verschwörungstheorien]ist ein von der EU finanziertes Forschungsnetzwerk der COST Action (dt. „Europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technologie“), dem 150 Wissenschaftler*innen und aus ganz Europa angehören, die sich mit den Ursachen und Folgen von Verschwörungstheorien befassen. Für weitere Informationen: www.conspiracytheories.eu.

Inspiriert durch: @Alert4_Alert4 auf Twitter | * Lyrics von Mad World, Gary Jules

Grafik: Miriam Lochner – Elfgenpick