Verwenden statt verschwenden

Wie irrsinnig ist Lebensmittelverschwendung?

von Lena Radmer

Allein in Deutschland landen jährlich etwa zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel in der Tonne[1]. Abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum, hier ein Ditscher, da eine braune Stelle – was die Lebensmittelverwendung angeht, sind wir krüsch (norddeutsch für wählerisch) geworden. Denn mehrere Millionen Tonnen der weggeschmissenen Lebensmittel wäre noch genießbar gewesen.

Auf unseren Bundeslagern, Kirchentagen und anderen Veranstaltungen versuchen wir durch Tauschcafés und Oasen „zur weiteren Verwendung“ gegen die Lebensmittelverschwendung an zu kämpfen.

Im Interview erzählt Moritz von seiner Idee, bei der weiteren Lebensmittelverwendung mit anzupacken.

Hej Moritz, wer bist und was machst du im VCP?

Moin, ich bin Moritz Dietzsch, 25 Jahre jung, komme aus Kiel und bin Gründer der ResteRitter. Im VCP komme ich aus dem Stamm Swentana aus Schönwalde in Schleswig-Holstein (SH). Bis vor zwei Jahren war ich dort auch Teil der Landesleitung. Aktuell bin ich stellvertretender Vorsitzender des Landesjugendrings und vertrete dort die Interessen der Pfadis und aller Jugendverbände in SH.

Was genau sind die ResteRitter?

Wir ResteRitter kämpfen seit drei Jahren in Kiel und SH gegen die Lebensmittelverschwendung und den Kinderhunger. Wir retten Obst und Gemüse, welches sonst im Müll gelandet wäre, vom Großhändler und aus Gärten und kochen daraus Fruchtaufstriche, Chutneys und machen Säfte. Mit jedem verkauften Produkt spenden wir für Mittagessen für Schulkinder an die Stiftung Mittagskinder. Gleichzeitig setzen wir uns auch für ein Umdenken in der Gesellschaft ein und veranstalten Schnibbelpartys mit geretteten Lebensmitteln und bieten Schulprojekte zum Thema Lebensmittelretten an.

Inwieweit haben deine Pfadi-erlebnisse und Pfadi-erfahrungen zur Gründung beigetragen?

Die Dimensionen der Lebensmittelverschwendung habe ich das erste Mal wirklich erlebt, als wir mit drei Ranger*Rover die Klimapilger*innen zwei Wochen mit geretteten Lebensmitteln aus den Supermärkten auf dem Weg versorgt haben. Aus dieser Erfahrung haben wir in SH das Projekt „Verschwenden-beenden“ entwickelt und auf unterschiedlichsten Veranstaltungen unglaubliche Mengen Lebensmittel gerettet. Dies war für mich ein wirkliches Schlüsselerlebnis und der Ansporn, im Rahmen eines Studienprojekts die Idee der Reste Ritter zu entwickeln. Meine Erfahrungen als Pfadi haben so unheimlich dazu beigetragen, mich überhaupt auf das Abenteuer Gründung einzulassen. Sei es die vielfältige Erfahrung für große Gruppen zu kochen oder einfach den Mut und die Zuversicht zu haben, eine ungewisse und ganz neue Herausforderung anzugehen.

 

Was würdest du anderen mitgeben und empfehlen, die Ideen – wie du die Resteritter- im Kopf haben?

Ich kann jeder*jedem nur empfehlen, sucht euch Mitstreiter*innen und Unterstützer*innen und fangt einfach an. Mehr als Scheitern und dabei wertvolle Erfahrungen sammeln, kann euch nicht passieren. Wenn ihr etwas wirklich wollt, braucht ihr am Anfang keine großen Mittel oder viel Geld. Viele Menschen und Unternehmen sind total offen gute Projekte zu unterstützen, ihr müsst sie einfach nur fragen.

 

 

Moritz Dietzsch von den ResteRitter

Foto: Moritz Dietzsch

Resteritter, Abenteuer von Cheevuap und Gendern im VCP

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