Vom Suchen, Jagen und Finden

Gut Jagd! und Gut Pfad! – so grüßen wir uns bei Wölflingen und Pfadfinderinnen und Pfadfindern. Das ist eines unserer Erkennungszeichen. Doch was meinen wir damit? Möglichst fette Beute machen? Immer auf dem guten, dem bequemen Weg bleiben? Und: was wollen wir denn genau jagen und finden? Wonach suchen wir?

Eine konkrete Antwort darauf gibt die Jahreslosung für 2019: Suche Frieden und jage ihm nach! aus dem Psalm 34. König David formuliert diese Aufforderung in einer Situation, in der er wirklich in Bedrängnis war. Er ist auf der Flucht vor dem übermächtigen König Saul, der ihm seine Erfolge neidet und ihm nach dem Leben trachtet. Er erkennt, dass weder Abschottung noch militärische Stärke und Gewalt und schon gar nicht Krieg Lösungen für ein gutes Zusammenleben von Menschen sein können. Frieden ist das einzige, was hilft.

Was hat das mit uns zu tun? Wir leben doch seit über 70 Jahren in Deutschland im Frieden. Schalom, das hebräische Wort für Frieden, bedeutet mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Es weckt in uns die Sehnsucht nach einer heilen und unversehrten Welt. Und zwar ganz und für alle. Es reicht also nicht, dass ich zufrieden bin und es ist auch wenig hilfreich, von anderen zu erwarten, dass sie mich in Frieden lassen. Für diesen Frieden einzutreten erfordert unsere Aktivität. Unzufriedenheit kann schnell zur Wurzel von Hass und Entzweiung werden. Das erleben auch wir immer wieder – im engsten Freundeskreis, in Gruppen und Stämmen, in der Familie, in der Schule und in der großen Weltpolitik. Wir sind dazu aufgefordert, auch in den verzwicktesten Situationen den Frieden zu suchen. Wir müssen raus aus den bekannten Kreisläufen von Neid und Missgunst, von Konsumwahn und Leistungsdruck, von wie du mir – so ich dir und ist mir doch egal. Wir müssen es wagen, hin und wieder unsere Komfortzonen, die bekannten und bequemen Pfade zu verlassen. Das ist oft gar nicht so leicht – aber als Pfadfinderinnen und Pfadfinder haben wir da doch einiges auf dem Kasten – oder? Und: was tut man nicht alles für eine fette Beute?

Wenn ihr es geschafft habt, bis hierhin zu lesen und euch jetzt ob der vielfältigen Herausforderungen für das Jahr 2019 bezüglich des Friedens im Kleinen und im Großen der Mut verlässt – denkt daran: wir sind nicht alleine auf der Jagd! Im Vertrauen auf Gott, der seinen Frieden auf der Welt großmachen will, treten Pfadfinderinnen und Pfadfinder nicht nur im VCP, sondern auf der ganzen Welt für den Frieden ein. Vielleicht liegt es ja manchmal genau an dir und deiner kleinen guten Tat, damit sich das Blatt wendet:

In einer Fabel wird erzählt: „Sag mir, was wiegt eine Schneeflocke?“, fragte die Tannenmeise die Wildtaube. „Nicht mehr als ein Nichts“, gab sie zur Antwort. „Dann muss ich Dir eine wunderbare Geschichte erzählen“, sagte die Meise. „Ich saß auf dem Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es zu schneien anfing; nicht etwa heftig im Sturmgebraus, nein, wie im Traum, lautlos und ohne Schwere. Da nichts Besseres zu tun war, zählte ich die Schneeflocken, die auf die Zweige und auf die Nadeln des Astes fielen und darauf hängenblieben. Genau dreimillionensiebenhunderteinundvierzigtausendneunhundertzweiundfünfzig waren es. Und als die dreimillionensiebenhunderteinundvierzigtausendneunhundertdreiundfünfzigste Flocke niederfiel, nicht mehr als ein Nichts, brach der Ast ab.“ Damit flog die Meise davon. Die Taube, seit Noahs Zeiten eine Spezialistin in dieser Frage, sagte zu sich nach kurzem Nachdenken: „Vielleicht fehlt nur eines einzelnen Menschen Stimme zum Frieden der Welt.“

In diesem Sinne: Gut Jagd! und Gut Pfad!
Beate Tschöpe aus VCP Sachsen