Wer hat an der Uhr gedreht?

von Sören Bröcker

Alarm! Ich bin schon wieder zu spät. Oh nein, die Deadline ist nahe! Ach komm, halb so schlimm. Wir wissen alle, unter Druck entstehen Diamanten.

Wir alle kennen diese Situation. Sei es bei der Vorbereitung auf eine wichtige Klausur, einem Artikel für unsere anp oder der Ankunft mit der Bahn. Die Zeit wird zum Ende immer knapp. Auch wenn wir physikalisch, wie Albert Einstein bewiesen hat, keine Zeit verlieren können, fragen wir uns immer wieder, wo ist die Zeit schon wieder hin und warum immer kurz vor knapp?

Prokrastionation ist das Stichwort. Wir schieben unsere Aufgaben vor uns hin, lassen uns leiten und verleiten von anderen tollen Dingen. Bei der Bahn gibt es einen Verspätungsalarm. Der sorgt dafür, dass wir unsere Ankunft besser planen können, jedoch nicht, dass eine Verspätung wieder aufgeholt wird.

In unserem Leben als Pfadfinder*in haben wir diesen Alarm, der uns Live-Updates gibt, leider nicht. Alles hängt damit zusammen, wie wir unsere Zeit nutzen. 24/7, 365 Tage im Jahr. Mehr Zeit bleibt uns nicht. Wenn wir dieser nun noch notwendiges Schlafen, Essen und Arbeiten abziehen, bleibt uns deutlich weniger Zeit zur Gestaltung.

Wir Pfadis wollen uns einbringen, wollen die Gesellschaft gestalten und nicht zusehen. Kürzlich sagte mir eine befreundete Pfadfderin, sie würde sich gerne noch viel mehr engagieren: „Zum Beispiel in der Seenotrettung oder der Obdachlosenhilfe. Es gibt so viele Möglichkeiten sich zu engagieren und die Zeit sinnvoll zu nutzen. Netflix, Amazon Prime und Co können wir auch noch schauen, wenn wir alt sind. Jetzt sind wir jung und können etwas bewegen.”

Ja, wir können und müssen uns bewegen. Dabei muss uns jedoch stets klar sein, dass unsere Uhren zwar alle gleich ticken, wir aber der Zeit verschiedene Ideen von Raum geben. Unser Leben als Pfadfinder*in kann durchgeplant oder intuitiv gestaltet werden. Den Alarm zum Abschluss können wir uns jedoch sparen, indem wir nicht alles auf die letzte Minute erledigen. Dadurch bleibt am Ende vielleicht doch wieder Zeit für einen guten Film oder ein gutes Buch. Oder wie die Sonnenuhr auf der Blumeninsel Mainau mit ihrer Inschrift sagt:

Die Zeit besiegt eben (doch) alles!

In einer Minute werden 4,3 Millionen Videos bei YouTube geschaut, 2,4 Millionen Snaps verschickt und 481.000 Tweets versendet.