Wie unsere Kinder in den Garten kamen

von Jakob Krueger

Vor über 200 Jahren wuchsen Kinder in ihren Familien auf und halfen ihrer Mutter im Haushalt.

Weil ab den 1820er Jahren große Teile der Bevölkerung verarmten, mussten jedoch auch immer mehr Frauen außerhalb der Familie arbeiten (was damals sehr unüblich war). Um der „körperlichen und sittlichen Verwahrlosung“ der unbeaufsichtigten Kinder vorzubeugen und sie – als netten Nebeneffekt – zu „fügsamen Mitgliedern der bestehenden Gesellschaftsform“ (in der es viel Ungerechtigkeit und Ausnutzung gab) zu erziehen, wurden deshalb die ersten „Kleinkindschulen“ nach englischem Vorbild eingeführt.

Friedrich Fröbel dachte Mitte des 19. Jahrhunderts in eine ganz andere Richtung: Seine Idee war, die Vorschulzeit für Bildungszwecke zu nutzen und so entwickelte er eine Kleinkindpädagogik, in der die Bildung des Menschen im Mittelpunkt stand. Von ihm stammt auch der Begriff „Kindergarten“. Er wollte, dass Kindergärten Teil des Bildungssystems wurden (was nicht passierte). Seine zentrale Methode war das freie Spiel, das Kindern Möglichkeiten zur kreativen Selbstentfaltung und somit auch zu Bildung geben sollte.

In den 1920er Jahren stritten sich die Verfechter der Fröbel’schen Pädagogik mit der reformpädagogischen Bewegung, etwa von Maria Montessori oder Rudolf Steiner (Waldorf). Letztendlich ging es darum, wie Kinder sich ausleben durften und mit Hilfe welcher Methoden sie erzogen wurden.

Mittlerweile hat jedes Kind in Deutschland zumindest den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Doch welche Rolle spielen Kindergärten für uns heute? Sind sie nur ein Betreuungsformat für zwei Vollzeit arbeitende Eltern oder sind sie weit mehr als das?

Friedrich Fröbel nannte seine Kleinkindschule nicht nur „Kindergarten“, er verstand sie auch als solchen:

Kinder sollten wie eine Pflanze in einem Garten gehegt und gepflegt werden – wie in einem Kinder-Garten.

Ist das nicht eine schöne Vorstellung?

Montessori

  • legt besonders Wert auf die Eigenverantwortlichkeit des Kindes („Baumeister seines Selbst“)
  • Grundsatz: „Hilf mir, es selbst zu tun“

Waldorf

  • widmet sich vor allem der praktischen und künstlerischen Entwicklung des Kindes
  • „Das Kind in Ehrfurcht empfangen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen“
  • anthroposophisches Menschenbild (Mensch als komplexe Einheit von Körper, Seele, Geist)

Waldkindergarten:

  • Ursprung in Skandinavien
  • bringt Kindern die Natur besonders nahe
  • Kinder sind immer im Freien, erkunden die Natur und erleben Abenteuer

Raus Kinder, ab in den Wald!