Wie weiblich ist die Erde?

Feminismus für Anfänger*innen / Frauen bildet Banden!

von Lena Simosek

Auf der Erde leben 7,7 Milliarden Menschen. Rund 3,9 Milliarden davon sind weiblichen Geschlechts.[1] Also rund 50 Prozent der Weltbevölkerung.

Am 8. März findet jedes Jahr der internationale Frauentag statt, in einigen Ländern ist er sogar gesetzlicher Feiertag – seit 2019 haben auch Berliner*innen dann frei. Er entstand Anfang des 20. Jahrhunderts im Kampf um Gleichberechtigung, Frauenwahlrecht und Emanzipation durch sozialistisch organisierte Arbeiterinnen. Ihr Kampf geht heute weiter.

Feminismus als soziale Bewegung fordert die Selbstbestimmung, Freiheit und Gleichheit aller Menschen im öffentlichen wie im persönlichen Leben.

Feminist*innen sind Gesellschaftskritiker*innen, die Missstände und Ungerechtigkeiten beseitigen wollen. Viele betreffen dabei Frauen.

Frauen verdienen weniger Geld, sie übernehmen den Großteil der unbezahlten Haus-­ Erziehungs­- und Pflegearbeit, fast jede zweite Frau wurde schon einmal sexuell belästigt oder Opfer sexueller Gewalt.

Eine Studie der Hans-­Böckler-­Stiftung zum Stand der Gleichstellung von Männern und Frauen in Deutschland bestätigt: Zwei Drittel der geringfü­gig Beschäftigten sind weiblich; der Gender­Pay­Gap (also der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Stundenlohn von Frauen und Männern) liegt weiterhin bei 21 Prozent; viele Frauen können durch ihre Erwerbstätigkeit keine ökonomische Unabhängigkeit erreichen, sind also auf die Einkünfte ihrer Angehörigen oder Partner*innen angewiesen; in Haushalten mit Kindern arbeiten fast alle Männer Vollzeit, während die Frauen mehrheitlich Teilzeit arbeiten; und in der Sorgearbeit tragen Frauen die Hauptlast – sogar dann, wenn sie Vollzeit arbeiten.[2]

Am Weltfrauentag oder auch Frauenkampftag rufen deshalb verschiedene feministische Gruppen weltweit zu Kundgebungen und Demonstrationen oder zum Frauenstreik auf.

Sie wollen auf die genannten Probleme und weitere aufmerksam machen. Sie kämpfen gegen die männliche Herrschaft und Unterdrückung der Frau.

Frauen bildet Banden und stürzt das Patriarchat!

Feminismus bezieht sich nicht nur auf Arbeitsmarkt und Arbeitsteilung. Es geht auch um die Rolle der Frau in der Gesellschaft, es geht darum verquere Frauenbilder, wie sie oft von Medien und Gesellschaft gefordert werden, abzuschaffen und dass jede*r so sein darf, wie sie*er sich wohlfühlt. Unterschiedliche feministische Bewegungen achten dabei auch auf kulturelle Identität, Geschlechterrollen, Geschlechtsidentität, gesellschaftliche Schichten, Behinderungen und vieles mehr. Wir alle haben verschiedene Voraussetzungen und machen andere Erfahrungen, trotzdem bleibt das Recht auf ein ganzes Leben – das ist Feminismus!

Ihr wollt euch in der Gruppenstunde weiter mit den Themen Geschlechtergerechtigkeit und Feminismus beschäftigen? Dann schaut mal bei der Pfadfinderinnenschaft Sankt Georg vorbei:

https://pfadfinderinnen.de/wirklich-gleich.html

Wenn wir zusammen gehen kommt mit uns ein bessrer Tag, die Frauen, die sich wehren wehren aller Menschen Plag, zuende sei, dass kleine Leute schuften für die Großen, her mit dem ganzen Leben: Brot und Rosen

Brot und Rosen, Lied aus dem Jahr 1912. Es entstand bei einem Streik von 14.000 Textilarbeiterinnen in Lawrence/ USA.

  • [1] United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2019). World Population Prospects 2019, Online Edition. Rev. 1.
  • [2] WSI Report Nr. 56, Februar 2020