Zwischen Alltagsordnung und Gefühlschaos

Wie wird man mit all dem fertig?

von Rica Rösner

Während das vegane Bananenbrot im Ofen backt, verrenke ich mich gerade beim Krieger Drei, einer YogaPose, und bin gedanklich bereits dabei, das Drei-Gänge-Menü für heute Abend zu planen. Außerdem überlege ich, wie ich am besten den Artikel für die Arbeit formuliere. In meinem Kopf sind so viele Tabs offen, dass ich ehrlich gesagt gar nicht weiß, woran ich gerade nicht denke.

Mein Tag ist perfekt durchgeplant, vom ersten Blinzeln am Morgen bis zum zeitigen Schlafengehen. Langeweile kann gar nicht aufkommen. Yoga, Frühstücken, kurz im neuesten Roman lesen, arbeiten, … Ich könnte die Liste bis zum Abend durchgehen, aber das dauert zu lange – mein Plan würde durcheinandergeraten.

So weit, so gut, denkt ihr jetzt. Interessiert euch vielleicht auch gar nicht so sehr, was ich eigentlich den ganzen Tag so mache. Oder vielleicht erwecke ich auch nur den Anschein, all das zu tun und sitze stattdessen auf dem Sofa und scrolle mich stundenlang durch die Nachrichten?

Es sind seltsame Zeiten. Die Schulen sind wochenlang geschlossen. Wir können plötzlich nicht mehr reisen und unsere Großeltern dürfen wir auch nicht besuchen. Kinder vermissen ihre Freund*innen, Omas ihre Enkel. Pflegekräfte machen Überstunden, Eltern arbeiten von Zuhause aus und helfen gleichzeitig bei den Schulaufgaben.

Ist es da nicht selbstverständlich, dass man manchmal gar nicht so richtig weiß wohin mit sich selbst und sich zu nichts aufraffen kann?

Es ist vollkommen in Ordnung, verwirrt zu sein. Traurig. Verzweifelt. Wütend. Durcheinander. Entspannt. Angespannt. Glücklich. Aufgebracht. Was auch immer du gerade fühlst, es ist in Ordnung. Du hast das Recht zu diesen Gefühlen. Und es ist wichtiger denn je, sie auch zuzulassen. Wir haben so eine Situation noch nie erlebt – da ist es nur verständlich, überfordert zu sein.

Wichtig ist, dass wir füreinander da sind. Und für uns selbst. Du hast das Gefühl, du solltest möglich viel am Tag machen? Dann tu das. Du fühlst dich eher nach einem Sofatag? Dann bleib auf dem Sofa. Sprich mit deinen Eltern, deinen Freund*innen, deinen Geschwistern über deine Gefühle. Die aktuelle Situation bringt zwar für jede*n andere Herausforderungen mit sich, doch trotzdem fühlen viele gerade ähnlich. Ich bin nicht allein. Und du bist es auch nicht. Wir schaffen das. Gemeinsam.

Und übrigens: Ich habe heute weder Bananenbrot gebacken noch Yoga gemacht. Und das ist okay.

Veganes Bananenbrot

Psychische Gesundheit – Interview zum nachhaltigen Leben – Das Leben von Baden-Powell

Spezial: Thema Depression