Lieben und verlieren

Wie wir uns in der Liebe zu den Pfadis verlieren können.

Ein Plädoyer für die Vielfalt und ein zeitweises Verlassen der eigenen Filterblase.

von Sören Bröcker

Pfadfinden geht unter die Haut.
Foto: Peter Neubauer

 

“Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort.” Wir alle kennen dieses Lied und für viele von uns ist dies sogar Alltag: Es ist Mai, wieder einmal stehen viele verschiedene Aktionen auf dem Programm. Landesrat, Kirchentag, Pfingstlager, Fachgruppentreffen und dann schon wieder Bundesversammlung im Juni. Im Juli geht es als Teil des VCP Kontingents zum Moot nach Island, dann schnell noch zum Bundeslager. Zwischendurch noch Texte für die anp schreiben, Versammlungen und Anträge vorbereiten, für ein neues Amt kandidieren…  Aber… warte mal… War nicht die Bewerbungsfrist für Studium und Ausbildung im Juli? Ist Oma nicht 85 geworden? Hat nicht der beste Freund aus der Schulzeit geheiratet?

Wir sind mit Überzeugung und Freude Pfadfinder*innen. Doch manchmal können wir uns auch in dem „heute hier und morgen dort“ verlieren. Wir alle kennen diesen einen Pfadi, der alles für seine Pfadis tut, immer da ist, alle Aufgaben übernimmt. Wir kennen auch diesen, der mittlerweile im 20. Semester studiert und immer noch jede Aktion der Pfadis dem Studium vorzieht. Wir alle kennen diese eine Person, die sich in der Liebe zu den Pfadfinder*innen verloren hat.

Ja, die Pfadis sind wichtig. Aber unser Engagement darf uns nicht auffressen. Unsere Gesellschaft lebt zwar davon, dass sich Menschen ehrenamtlich engagieren. Aber Schule, Ausbildung, Freund*innen und Familie dürfen dabei nicht zu kurz kommen. Denn gerade die sind es, die einen Charakter ausmachen. Ob im Sportverein, der freiwilligen Feuerwehr oder im Posaunenchor – überall erfahren wir Ideen von einem Leben hier auf der Welt. Manchmal lohnt es sich, seine eigne Blase zu verlassen und zu sehen und zu lernen, wie andere mit Situationen umgehen. Wir sind flexibel, offen und bereit, etwas Gutes zu tun. Und das Beruhigende dabei: Die Welt besteht zwar aus mehr als Pfadfinderei, aber unsere Werte nehmen wir mit – wir sind eben doch immer und überall Pfadis.

 

Tipps, um nicht verloren zu gehen

 

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst

Nächstenliebe heißt auf andere, aber auch auf sich selbst acht zu geben.

 

Sag ehrlich, wie viel Zeit du hast

Jeder Beitrag zählt. Enttäuschungen gibt es nur dann, wenn Erwartungen nicht besprochen werden.

 

Lerne „Nein“ zu sagen

Du bekommst Schule, Privatleben und die Pfadis nicht mehr unter einen Hut? Sag „Nein“! Pfadfinder sein heißt: Aufgaben teilen.

 

Hab keine Angst, etwas zu verpassen

Schau mal über den Tellerrand – nicht nur bei den Pfadis gibt es etwas zu erleben.