Nachruf Siegfried Keil

Siegfried Keil ist gestorben – am 14. Februar 2018 mit 83 Jahren

Wir im VCP gedenken seiner als unseres Bruders, der uns von 1951 an bis in dieses Jahr hinein begleitet hat. Noch für das diesjährige Jahresprogramm des Freundeskreises des VCP Neumünster hat Siegfried auf unsere Bitte hin die Jahreslosung ausgelegt: “Ich will den Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Wichtig war ihm dabei das Wort ‚umsonst‘. Am 24. Februar haben seine Familien und Freunde ihn in Marburg, wo er seit 1986 gewirkt und gewohnt hat, verabschiedet. Wir denken an seine Frau Ingeborg und seine Kinder und Angehörigen – besonders auch an seinen Bruder Klaus Keil, den alle kennen, die mit der Erwachsenenarbeit im VCP zu tun hatten.

Wer an Siegfrieds berufliche und ehrenamtliche Arbeit in Kirche, Universität, Gesellschaft und Politik erinnert werden möchte, kann im Internet unter seinem vollen Namen Prof. Dr. theol. Dr. phil. Siegfried Keil lesen, wie ihm in der Öffentlichkeit großer Dank und hohe Ehrung zuteil geworden ist. Wir in Schleswig-Holstein schätzten in ihm den Bruder. Wir schauten zu ihm auf – seiner Körpergröße wegen sowieso –, weil wir uns in seiner Nähe wohl und sicher fühlten.

Es mag 1957 gewesen sein, als ich als Ortskundiger unseren künftigen Landesmarkführer Siegfried am späten Abend zehn km durch Wald und Heide zu einem Sippenführerkursus an der Osterau führte. Wie wir wandernd in dieser Stunde miteinander redeten, so ähnlich werden ihn viele in Erinnerung haben: Austauschen über das private Ergehen – theologische Fragen, auf die er mal hilfreich, mal selbst ratlos eingeht – Schwierigkeiten in Stämmen in Schleswig-Holstein – Planungen im Bund.

Was der Lebenslauf (in Kreuz und Lilie S. 350) knapp über Siegfried skizziert, erinnern wir Älteren noch ganz konkret: In Kiel, wie er die Gruppe gesammelt hat und zum Stamm St. Michael in der CPD werden ließ; im Gau Förde, wie er die Stämme zusammenführte und bald auch die Hauptlast in der Landesmark Schleswig-Holstein trug, deren Führer er folgerichtig von 1958 bis 1964 wurde; im Bund, wie sein Erkenntnisdrang in Theologie und Soziologie mit den Möglichkeiten eines Jungenbundes im Umbruch zusammenfand. Zeitweise wurde so die CP zum Gegenstand seiner Wissenschaft, während er selbst ein lebendiges Glied war und blieb.  Wie seine drei Beiträge in Kreuz und Lilie zeigen, gestaltete er damals den Weg in die Zukunft in Richtung VCP wesentlich mit.

Bedächtig, knorrig, nachdenklich, nachdrücklich legte Siegfried uns seine Ansichten vor und fragte zwischendurch: Wie siehst du das denn? Wie macht ihr es? – Und dann wurde entschieden. Und gerade weil es ihm nicht lag, sich in geschliffenen Sätzen auszudrücken, konnten wir seine Analysen der Lage und seine Überlegungen verstehen. Er konnte führen, weil er sich mit Hilfe seines Glaubens orientieren und uns mitnehmen konnte. Auch später hat er manches auf den Weg gebracht und den VCP sein Leben lang fördernd begleitet.

Siegfried in Person war für uns eine Brücke von den Älteren der Bruderschaft, die den Bogen herüber aus der Vorkriegszeit geschlagen hatten, zu uns jüngeren. Zeitlebens staunte er über die Art, in der diese Alten ihn, den noch nicht 20-jährigen, als Gleichen unter Brüdern anerkannt hatten. Schon lange war er dann selber einer der Alten – und hat den immer neuen Jungen zugetraut, dass sie einen Weg für sich und den Verband finden.

– Michael Möbius, Flensburg