Nachruf Werner Gabriel

Werner Gabriel ist am 15. April 2020 im Alter von 85 Jahren verstorben.

Werner war ein Mensch, der sich immer aktiv für eine Sache eingesetzt hat, von der er überzeugt war. Er hat sich nie mit Halbheiten abgegeben. Er war kein Mitläufer, sondern er war immer der Motor. Dies kann man auch an seinen Aktivitäten in der CPD und später im VCP erkennen: So war er von 1966 bis 1972 Sprecher des Landesmarkführungsteams der CPD Rheinland. In dieser Zeit hat er aktiv die Fusion von EMP und CPD auf Landesebene zum VCP Nordrhein betrieben. In den Jahren bis 1972 hat er dann seine ganze Kraft für die Fusion von BCP, EMP und CPD zum VCP eingesetzt, denn er war völlig von der Berechtigung eines koedukativen, integrierten evangelischen Pfadfinderverbandes überzeugt. Folgerichtig hat er dann nach der Fusion die Aufgaben eines der ersten Bundesvorsitzenden des VCP übernommen. Neben ihm waren Dr. Helga Krohn (1973), Ilse Köpke-Degener (1973) und Eva-Maria Seifert (1973 – 1975) Bundesvorsitzende. In dieser Funktion war Werner auch Vorsitzender des Ringes deutscher Pfadfinderverbände (RdP).

Zur Erreichung der Ziele, die er sich einmal gesetzt hatte, benutzte er häufig seine ihm eigene Wortgewandtheit, was nicht unbedingt jedem gefiel. Manche fühlten sich von ihm überrannt. Aber es ging ihm immer um die Sache und nicht um persönliche Empfindlichkeiten.

Nach Ablauf seiner Wahlperiode als Bundesvorsitzender im Jahr 1976 hat er sich nicht zur Wiederwahl gestellt. Dies war ein typisches Zeichen seines Verhaltens: wenn er einmal ein für sich gesetztes Ziel erreicht hatte, dann konnte er ohne Probleme von einer Funktion zurücktreten und sich mit ganzer Kraft einer neuen Aufgabe zuwenden. Für die von ihm erbrachten Leistungen erwartete er keine großen Lobeshymnen. Ein deutliches Beispiel dafür ist, dass er immer die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes abgelehnt hat.

Bereits während seiner Zeit als Bundesvorsitzender hat sich Werner weiterhin im VCP Nordrhein engagiert. In wechselnden Rollen als Vorsitzender bzw. Geschäftsführer des e.V. auf Landesebene trug er bis 2012 dafür Sorge, dass die finanzielle Basis für die Pfadfinderarbeit mit großem Erfolg stets vorhanden war. In die inhaltliche Diskussion der Pfadfinderarbeit hat er sich bewusst nicht eingemischt.

Nach Ende seiner aktiven Zeit im VCP war er immer bereit, Unterstützung und Rat zu geben, wenn er gefragt wurde.

In den letzten Jahren seines Lebens haben Werner und seine Ehefrau viele Reisen unternommen und die Freundschaften mit Bekannten gepflegt, die zum Teil aus frühester Zeit seines Lebens herrührten. So stammten einige seiner Freunde noch aus der Zeit als er Sippenführer der CPD in Köln war. Ein Hobby von ihm war die Brauchtumspflege in Köln. So war er Mitglied der Ehrengarde der Stadt Köln, eines der karnevalistischen Traditionskorps in Köln und einiger anderer Vereinigungen, die die Brauchtumspflege in Köln auf ihre Fahnen geschrieben haben. Einen besonderen Spaß hat es ihm immer wieder gemacht, wenn er mit Bekannten auf kölsch palavern konnte. Ein besonderer Charakterzug von ihm war, dass er bis zu seinem Lebensende klar und eindeutig seine Meinung und Einstellung zu allen gesellschaftspolitischen Themen vertreten hat.

Helmut Naaf