Zwischen Tschai und Dixi – Der Duft zwischen den Zelten

von Johannes Malinowski

Morgende im Schlafsack sind das Schlimmste. Zwar sind die Füße warm, doch gleich geht’s raus in die klammen Klamotten. Neben der Isomatte steht dein Paar Wanderschuhe. Nach den 20 Kilometern bergauf und bergab vom Vortag riechen sie nicht mehr allzu frisch. Schweizer Käse vor dem Frühstück, lecker! Nebenan im Küchenzelt haben die KaffeeStreber*innen den Gaskocher angeschmissen, um Wasser zu erhitzen. Den Gasgeruch nimmt angeblich jeder Mensch anders wahr. Die einen riechen faule Eier, die anderen Knoblauch. Sei’s drum. Beides nicht schön am Morgen.

Die Kaffee-Streber*innen sind glücklich, der Frühstückstisch gedeckt. Schnell was essen und dann abwaschen. Jetzt heißt es: schnell sein! Klar, zwei Wannen mit Wasser. Eine mit Spülmittel, eine ohne. Dafür mit ordentlich würfeligen Essensresten. Eine Plörre, schon bald eher viel zu heiße Jauche als Wasser. Gepaart mit einem dicken Spritzer Spüli. Die Dampfwolke darüber benebelt dich heute zum zweiten Mal.

Der Tag plätschert so vor sich hin. Gerüche zwischen Sonnencreme, Lagerfeuer, Schweiß von ungeduschten Pfadis („Ist das mit dem Waschen denn so schwer?“, fragst du dich). Um die Mittagszeit riecht es überall auf dem Lagerplatz nach Zwiebeln. Die Zelte sind zum Glück gut belüftet. Essen, den Nachmittag herumkriegen und wieder essen. Es folgt Dixi-Besuch Nummer zwei. Klodeckel auf, den Rest kannst du dir denken. Kläranlage statt Wunderbaum.

Ab geht’s zu den Dixis. Du hast Glück! Das EntleerungsFahrzeug war gerade da. Also rein in das kleine Häuschen und Frische genießen. Die riecht in dem Fall eher nach den fünf Jahre alten Wunderbäumen in Papas Benz. Nunja. Besser als volle Dixies (Spoiler: kommt noch!).

Raus aus der Toilette, rein in den Duschcontainer. Zivilisation, juhu! Der Geruch verschiedener Shampoos, Deos und Haarsprays benebelt dich. Flott geduscht, Zähne geputzt, angezogen, jetzt kann der Tag beginnen.

Die schönsten Gerüche kommen auf Lagern eh am Abend. Ein großer Topf Tschai, der zubereitet wird. Verschiedene Säfte, Früchte, Zimt und Nelken. Ein bisschen wie auf dem Weihnachtsmarkt. Dazu ein Stockbrot. Geht doch! In der Jurte wird gesungen, ein*e übereifrige*r HobbyPyromane*Hobby-Pyromanin kümmert sich um das Feuer. Vom Sitzsack aufzustehen ist keine gute Idee. Zwei tiefe Atemzüge im Stehen in einer Feuer-Jurte und schon hat es sich erst einmal ausgerochen.

Mit der Bahn geht es ein paar Tage später nach Hause.

Kein Platz im Zug? Profi-Tipp: Ab in den Abteilwagen. Pfadi-Muggel haben es nicht so mit dem Geruch einer Truppe, die frisch vom Lagerplatz kommt. Das PlatzProblem erledigt sich meistens recht schnell.

Foto: Andreas Kläger

 

Ein Lied zum typischen Pfadi-Geruch vom Pfadfindermusikprojekt LITTLE PINK aus Hessen: