Nachruf Elisabeth Beyersdörfer

*14.7.1924

+14.10.2019

Dass Elisabeth Beyersdörfer einmal Bundesmeisterin des EMP (Evangelischer Mädchen Pfadfinderbund) werden würde, davon konnte man nicht ausgehen. Geboren und aufgewachsen in Frankfurt/Main, war in ihrer Jugendzeit der EMP schon verboten, es herrschten die Nazis.

Nach dem Krieg entschloss sie sich, eine weitere Berufsausbildung anzufangen. Ich denke, sie wollte dem Grauen der letzten Jahre etwas entgegen setzen mit anderen Werten. Sie besucht die Bibelschule des Burckhardthauses, um Gemeindehelferin (heute Diakonin) zu werden. Während ihrer Ausbildungszeit wurden die Bibelschülerinnen mit der EMP Arbeit bekannt gemacht. Oberin Hulda Zarnack – Direktorin des BU-Hauses – und Hanna Schüssler – 1. Bundesmeisterin des EMP – übernahmen diese Aufgabe. Elisabeht – „Beyers“ – konnte sehr lebendig von dieser Zeit erzählen, wie sehr sie alle die ganze bündische Arbeit in Frage stellten nach den Erfahrungen der NS-Zeit. Genauso heftig wurde die Frage diskutiert, ob das „idealistische“ – vom Weltbund vorgegebene – Gesetz und Versprechen mit dem Evangelium vereinbar sei. ES muss ein zähes Ringen gewesen sein, doch am Ende wurde „Beyers“ 1949 mit 25 Jahren Pfadfinderin im EMP.

In Bad Nauheim gründete sie die erste Schar. 1952 wechselte sie nach Frankfurt ins Mädchenwerk der Landeskirche und wurde Landesmeisterin von Hessen-Nassau. 1967 wurde „Beyers“ zu Bundesmeisterin des EMP gewählt (bis 1970). Ich kam 1967 als Referentin in die Bundeszentrale des EMP in Gelnhausen zusammen mit Barbara Gruner (verh. V. Cappeln). „Beyers“ war zwar unsere „Chefin“, doch es entwickelte sich neben einer sehr konstruktiven Arbeitsweise auch eine Freundschaft trotz des großen Altersunterschieds. Ich habe „Beyers“ geschätzt vor allem wegen ihrer Gradlinigkeit, ihrer Sachlichkeit und ihrer Fähigkeit, Dinge zu hinterfragen und sie auch in Frage zu stellen. Das wurde besonders deutlich, als wir im Bund Gesetz und Versprechen des EMP so stark veränderten, dass uns der „Rausschmiss“ aus dem Ring und damit aus dem Weltbund drohte. „Beyers“ fuhr nach Londons ins Weltbüro und konnte dort Dank ihrer guten Englischkenntnisse und ihrer Überzeugungskraft unseren Standpunkt positiv für uns vertreten. Auch von diesen Gesprächen konnte „Beyers“ eindrücklich erzählen. Im Dezember 1969 konfrontierten wir beiden Bundesreferentinnen „Beyers“ mit der Überzeugung, dass wir auf der Bundesversammlung 1970 unbedingt die Frage der Koedukation und ggf. einer Fusion mit der CPD diskutieren müssten. „Beyers“ reagierte zwar überrascht, aber dann kam ihr Pragmatismus, ihre klaren Überlegungen und ihre Fähigkeiten zum Tragen, Dinge in Angriff zu nehmen, die notwendig waren. Das Ergebnis ist bekannt, es mündete in der Fusion 1973. „Beyers“ war auch nach ihrer Bundesmeisterinnenzeit aktiv an den Fusionsgesprächen beteiligt und sie blieb bis zu ihrem Tod dem VCP verbunden.

Für mich war sie eine der prägenden Frauen in meinem Leben.

Gisela Bögershausen