Buchecke: Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß

Christoph Wortberg, Beltz und Gelberg, Weinheim und Basel, 2014

Der Ernst des Lebens macht bauch keinen SpassErstmal: Die Hauptperson in diesem Buch ist tot. Jakob, der Bruder von Lenny, dem Erzähler, ist von der Zugspitze gestürzt und hat das – wie auch – nicht überlebt. Ein tragischer Unfall oder Selbstmord? Das versucht Lenny herauszufinden, denn vieles passt nicht zur Unfalltheorie.

Dabei muss er feststellen, dass sein Bruder nicht der war, für den er ihn immer gehalten hat: der erfolgreiche, bewundernswerte Bruder. Auch, dass seine Freunde ihn scheinbar besser kannten als er, das ist für ihn nicht leicht zu verstehen. Aber seine Eltern sind keine große Hilfe dabei. Sie können mit dem Tod ihres geliebten Sohnes nicht umgehen und sind mit eigenen Problemen beschäftigt, die sie schon lange vor sich herschieben. Das Buch ist sehr bewegend geschrieben und beschreibt die Gefühlswelt eines Teenagers gut. Man kann sich sehr gut in Lenny hineinversetzen, da er mit Problemen zu kämpfen hat, die man selbst auch kennt, in der Familie, in der Schule und in der Liebe.

Dabei ist er nicht der typische Held, dem alles gelingt, der alles kann, sondern er hat Zweifel an sich. Auch weil sein Bruder immer besser war. Lenny ist manchmal hilflos und sucht nach einem Sinn in seinem Leben, ohne seinen Bruder.

Allerdings muss sich die Leserin oder der Leser dabei auch mit den Themen Selbstmord, Überforderung und Tablettensucht auseinandersetzen, was ziemlich anspruchsvoll und auch bewegend ist. Man wird mit vielen Fragen konfrontiert, die man sich in einem solchen Falle auch stellen würde, die einem aber im Alltag oft zu unangenehm sind. Ein sehr kurzweiliges Buch, das auch viele Fragen offen lässt für eigene Gedanken zu wichtigen, aber sehr ernsten Themen. Ich würde es Jugendlichen jedoch erst empfehlen, wenn sie sich mit solchen Themen schon befasst haben.

4eselohrenvergibt Verena Kunberger