Sieht der VCP nur noch Sterne?

Einige von euch haben sich das bestimmt schon gefragt. Hier kommt nun die Auflösung: Das ist das sogenannte „Gender-Sternchen“, welches wir im VCP nutzen wollen, um Texte so korrekt wie möglich zu „gendern”, also möglichst alle Geschlechter einbeziehend zu formulieren.
Anstoß dazu gab ein Beschluss der 126. Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej) im Jahr 2015, mit welchem die Schreibweise mit Gender-Sternchen eingeführt wurde, „um die Diskriminierung von Menschen, die sich nicht in der bipolaren Geschlechtsnorm verorten, in einem Punkt zu überwinden“.

Die Versammlung empfahl ihren Mitgliedern ebenso vorzugehen. Diese Empfehlung nahmen Bundesleitung und Bundesrat auf – und beschlossen im April diesen Jahres die Einführung des Gender-Sternchens auch für den VCP.

Aber warum befassen wir uns überhaupt damit? Haben wir denn keine anderen Probleme im Verband, um die wir uns kümmern können? Doch, natürlich haben wir auch andere Probleme. Aber strukturelle Diskriminierung ist etwas, das leider existiert und wogegen wir so leicht etwas tun können. In den Strukturen unserer Gesellschaft sind „androgendernde Maskulina“, zum Beispiel auf Schildern wie „Radfahrer absteigen“, sehr weit verbreitet. Diese Formulierungen diskriminieren alle, die sich nicht dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen. (Im Fall von “Radfahrer absteigen” ist das zwar sehr praktisch – alle nicht männlichen Personen dürfen dann wohl einfach weiterfahren.) Es gibt zwar viele, die meinen, sie fühlten sich auch angesprochen, wenn nur die maskuline Schreibweise angewendet würde, aber es gibt Studien, die das Gegenteil belegen. Bei androgendernden Maskulina wurden hier durchgängig zuerst männliche Personen assoziiert, und das sogar auch bei sogenannten „Frauenberufen“. Es ist also keineswegs so, dass sich jede*r mitgedacht fühlt.

Erst sprachliche Benennungen schaffen Wahrnehmbarkeiten, die dann in anderen sozialen Handlungen wieder umgesetzt werden können. Die Verwendung von Formulierungen, die alle mit einbeziehen, ist also ein erster Schritt in Richtung Gerechtigkeit und Chancengleichheit.

Aber warum genau das Sternchen und nicht beispielsweise der Schrägstrich (Pfadfinder/innen)? Weil es, wie es auch schon im Beschluss der aej-Mitgliederversammlung steht, auch Menschen gibt, die sich nicht dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen. Der Schrägstrich lässt einem nur die Wahl zwischen einer maskulinen und einer femininen Form, während das Sternchen für die Vielfalt der verschiedenen Geschlechter steht. Somit sind also alle gemeint und niemand muss sich ausgeschlossen oder diskriminiert fühlen.

Und wer jetzt noch meint, das wäre so kompliziert und umständlich und Texte wären dadurch schwieriger zu lesen: Ist das nicht ein vergleichsweise kleines Opfer dafür, dass wir etwas gegen Diskriminierung und für Gemeinschaft tun?

Nützliches Wissen:

LGBTI* ist eine englische Abkürzung und steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transidente und Transgender-Personen und Intersexuelle, das Sternchen will all jene mit einschließen, die sich noch mit anderen Bezeichnungen identifizieren.

 

*Argumentationshilfe für gendergerechte Sprache*